Politische Ansätze müssen jedoch durch sozio-ökonomische und wissenschaftlich-technische Maßnahmen begleitet werden. Zu Aspekten der sozio-ökonomischen Einbettung und der Versorgung der Opfer, verweisen wir auf das Rotary-Projekt MINE-EX (s. S. 34). In diesem Artikel soll aus wissenschaftlich-technischer Sicht ein Ansatz zur Opfervermeidung vorgestellt werden. Wenn man den gegenwärtigen Stand der Wissenschaft betrachtet, so erweisen sich 20 Methoden als viel versprechend zur Minendetektion. Außer den oben genannten hat jedoch keine weitere Feldreife erlangt. Zudem kann keine Methode allein alle Minen finden. Dazu ist die Vielfalt der Landminen und der Umgebungen, in denen sie gefunden werden müssen, zu groß.
Bei der Suche nach Lösungen entstand die Idee zu einem Projekt, welches im Rahmen des Vereins „Wissen gegen Minen“ realisiert wird. Das Projekt basiert auf zwei Säulen, der Schaffung eines Kompetenznetzwerkes und der Her- stellung eines Online-Tools. – Was ist damit gemeint?
Das Kompetenznetzwerk
Das Kompetenznetzwerk, die erste Säule, ist eine Kommunikationsplattform für den Erfahrungsaustausch zwischen Wissenschaftlern, Minenräumern und Detektorherstellern. Denn ein wesentliches Problem der Einführung neuer Verfahren zur Landminendetektion ist die Kommunikationslücke zwischen den beteiligten Gruppen: Minenräumer verstehen oft nicht die Erläuterungen der Forscher, diese haben oft nur eine sehr vage Vorstellung von den Problemen auf dem Minenfeld und die Detektorhersteller sind finanziellen Zwängen unterworfen, ohne über das Potenzial für Langzeitforschung zu verfügen. Ein Kompetenznetzwerk als Kommunika- tionsplattform wird einerseits zum Forum für den internationalen fachwissen- schaftlichen Austausch und eröffnet andererseits den Betroffenen vor Ort den Know-how-Zugang.
Das Online-Tool
Eine bewährte Methode in der Wissenschaft zur Lösung von komplexen Problemen lässt sich wie folgt beschreiben: Für ein komplexes System wird zunächst ein Modell erstellt und im Rechner simuliert. Die Simulation wird durch Messungen korrigiert und optimiert. Erst danach beginnt die Entwicklung des eigentlichen Produkts, in unserem Fall des Detektors. Dieser wird durch experimentelle Tests validiert, die sich aus der vorhergehenden Simulation ergeben. Ehe der Detektor im Feld zum Einsatz kommt, muss er noch Zuverlässigkeitsprüfungen bestehen.
Für die äußerst komplizierte Problematik der Landminendetektion muss ebenso vorgegangen werden. Der erste Schritt ist die Schaffung eines geeigneten Simulationswerkzeuges. In dem online zur Verfügung stehenden, hoch entwickelten Softwaretool ist dann das weltweit existierende Fachwissen, die reichhaltigen Erfahrungen der Wissenschaftler der verschiedenen Fachgebiete, der Detektorhersteller und der Minenräumer zusammengefasst und für die Landminenproblematik aufbereitet. Auf diese Weise wird eine interdisziplinäre Bündelung von Fachwissen für eine systematische Analyse von Minendetektionsverfahren erreicht. In diesem Sinne dient das Tool auch als Basis für das Kompetenznetzwerk (erste Säule).
Der Grundstock für ein Kompetenz- netzwerk ist mit der Gründung des Vereins „Wissen gegen Minen e.V.“ gelegt worden. Dieser wird durch die stetige Erweiterung der Kontakte und die weitere Einbeziehung interessierter Wissenschaftler, Minenräumer und Detektorhersteller ausgebaut. Für das Online-Tool existiert ein Projektplan; ein Finanzierungskonzept wird gegenwärtig erarbeitet.
Der Verein wird zur Entwicklung verbesserter einsatzfähiger Systeme zur Minendetektion und zur Optimierung der Trainings- und Räumprogramme beitragen. Opfer werden vermieden und die betroffenen Länder erhalten beim Aufbau ihrer Infrastruktur die notwendige Unterstützung für die eigenverantwortliche Beurteilung der Situation.
Das Ziel ist ein sicheres und schnelles Minenräumen und die Vermeidung weiterer sinnloser Opfer!
Dr. rer. nat. Ute Böttger, Gründungsvorsitzende des Vereins „Wissen gegen Minen“ e.V. und Vorsitzende bis 2009
www.wissen-gegen-minen.de